Rückschau Thementag #2

„Was soll diese Diskussion hier? Mit theoretischem Herumlavieren kommt Gmunden nicht weiter! VisionGmunden kommt so nicht weiter! Wir müssen darüber reden, dass es die Seilbahn nicht mehr gibt, dass wir eine Therme hingestellt bekommen, bei der wir nicht mitreden dürfen wie sie aussieht, dass ein Hotel am falschen Ort hingebaut wird!“

So oder so ähnlich war die Stimmungslage einiger BesucherInnen beim zweiten Thementag im Rathaussaal. Die Emotionen gingen bei den touristischen Kernthemen so richtig hoch. Das Bemühen von VisionGmunden, die Fragen allgemein auf die Zukunft zu richten und durch hochkarätige Vorträge neue Ideen in die Köpfe der Leute zu bringen, schien da beinah ein aussichtsloses Unterfangen. Zu sehr drängten angestaute Wut und Unverständnis über bereits getroffene Entscheidungen an die Oberfläche. Allerdings: was ist schlecht daran? Die wiederum knapp 80 Anwesenden konnten auf diese Weise einen guten Eindruck gewinnen, wie die Stimmung ihrer MitbürgerInnen gelagert ist, „wo der Schuh drückt“. VisionGmunden bot hierfür die notwendige öffentliche Plattform – eine Gelegenheit, die sich angesichts der heißen Stimmung in Gmunden wohl nicht allzu häufig bietet. Förderlich war dabei auch die Anwesenheit eines guten Teils der Stadtregierung inklusive Bgm. Heinz Köppl und Vizebgm. Schrabacher. Mit Stadtrat Gerhard Meingast saß darüber hinaus der Zuständige für Tourismus in der Stadt am Podium. Die Politiker hatten so in direkter Konfrontation Gelegenheit, ihre Sicht und die Komplexität der Dinge darzulegen.

Dennoch überraschte die Versessenheit der Anwesenden auf bestehende Mängel und Wunden der Vergangenheit angesichts von Impulsvorträgen, die durchaus die Kreativität und Visionen für die Zukunft hätten anregen können. Dr. Herta Neiß von der JKU Linz sprach über die richtige Balance zwischen der  Identität vor Ort und dem Angebot an die Gäste. Im Idealfall ergäbe sich eine authentische kulturelle Schnittmenge, die für beide Seiten ein Gewinn sei. Zur Veranschaulichung ihrer Thesen brachte sie auch Gmunden-spezifische Beispiele, die zeigten, was eine konkrete Umsetzung der Gedanken für die Zukunft bedeuten könnte. Dr. Walter Putschögl, ehem. Geschäftsführer von Linz ’09, erläuterte die Chancen modernen Kulturtourismus. Dabei ließ er es sich nicht nehmen, sanft aber doch derzeitige Mängel und ausbaubare Potentiale in Gmunden anzusprechen. Dr. Harald Keck zeichnete als Nachhaltigkeitsforscher das Profil der künftigen Reisenden: die denken nicht mehr in vorgegebenen Kategorien, sondern haben Sinn für spezifische Qualitäten eines Ortes und fordern diese ein. Das kommt auch den Gastgebenden zu Gute, die mit dieser Art der nachhaltigen Qualitätssicherung das Angebot für die Einheimischen mitverbessern („Stakeholder-Prinzip“!).

Kurz vor der Podiumsdiskussion gab es für Interessierte einen touristischen Stadtspaziergang für GmundnerInnen. Die Fremdenführerin erläuterte zum Schluss die Etymologie des Worts „Gmunden“, dass es letztlich von „münden“ kommt. Vielleicht steckt aber auch ein bisschen „mündig“ in dem schönen Namen dieser Stadt – in dieser Hinsicht wäre für die Zukunft wünschenswert, dass die BürgerInnen ihre Rolle als die eigentlichen Entscheidungsträger der Kommune anerkennen, und nicht im Verweis auf die Macht von Investoren und Politikern stagnieren. Keine Frage, die in Gmunden viel besagten Geschäftsleute und „Macher“ braucht es. Aber: Nachdenken, was überhaupt „gemacht“ wird, ist auch unersetzlich – und das betrifft in einer demokratischen Gesellschaft im 21. Jahrhundert dann trotzdem alle.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

  • VisionGmunden

    startete als ein aus EU-Mitteln und vom Land OÖ gefördertes Leader-Projekt der Kunstuniversität Linz im Auftrag der Stadt Gmunden. Der Prozess wird nun von den Gmundner BürgerInnen gemeinsam mit der Stadtgemeinde fortgesetzt.
  • Projektbetreuung

    Verein Liebenswertes Gmunden
    Frau Sibylle Vidounig

    Bis Juni 2012:
    Mag.arch. Bernhard Rihl, Mag.arch. Gunar Wilhelm, DI Richard Steger,
    Mag.arch. Tobias Hagleitner

  • Kontakt

    Sibylle Vidounig
    sibylle.vidounig@gmunden.ooe.gv.at
    +43 7612 794-666
    Rathausplatz 1
    4810 Gmunden